Die Wahrheit über die günstigen Handys aus China

Was ist das meiste Geld, das Sie jemals für ein Handy ausgegeben haben 600 Euro? 800 Euro? Wussten Sie, dass chinesische Firmen weniger als 100 Euro für ein anständiges Handy verlangen können? Aber wie soll ein Unternehmen Geld an einem 100-Euro-Handy verdienen? Okay, hier sind ein paar schmutzige Fakten über die chinesische Smartphone Herstellung:

Nummer 1: Sie verdienen gar kein Geld.

Was meinst du, sie verdienen kein Geld mit ihren Smartphones? Yep, das ist völlig wahr. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: die meisten werden wissen, wer Xiaomi ist, aber wenn nicht: sind sie eine chinesische Firma, die Handys mit sehr guten Spezifikationen für weniger als die Hälfte des Preises anderer Marken wie Samsung oder LG anbietet. Und Xiaomi macht mit seinen Handys keinen Profit, selbst der CEO von Xiaomi gab das kürzlich in einem Interview zu.

Dies ist eigentlich ein ziemlich detailreiches und tiefgründiges Thema, auf das ich nicht zu viel Zeit verwenden werde, aber im Grunde sind diese chinesischen Firmen nicht wirklich daran interessiert, Geld an jedem verkauften Smartphone zu verdienen. Aber was sie wollen ist, dass die Leute ihren Namen kennen, und sie wollen, dass die Nutzer ihre Handys kaufen, damit sie ihnen in Zukunft mehr Sachen an sie verkaufen können. Kurz gesagt: sie tauschen kurzfristigen Profit für eine langfristige Bekanntheit.

Nur um das klar zu stellen, nicht alle chinesischen Unternehmen verfolgen diese Strategie. Es gibt auch andere Firmen, die hoch konzentriert darauf sind, Gewinn an jedem verkauften Smartphone zu machen. Jedoch greifen die kleineren Hersteller die Strategie auch nicht auf, weil sie wahrscheinlich einfach nicht das finanzielle Kapital haben, um lange ohne Profit überleben zu können.

Nummer 2: sie haben Null Inventar.

Okay, das ist nicht ganz richtig, sie haben ein winziges Inventar, aber Sie verstehen was ich meine. Denn Inventar kostet Geld und vor allem müssen sie Kapital ausgeben, um die Telefone überhaupt herstellen zu können, und niemand hat bisher Geld für sie bezahlt, und Sie brauchen einen Platz, um sie zu lagern. Beides kostet sehr viel Geld.

Also wie verkaufen Unternehmen Waren ohne Inventar? Es gibt ein paar Techniken. Die erste wird Flash-Sale genannt. Sie bieten im Grunde beispielsweise tausend Einheiten eines Smartphones zu einem vergünstigten Preis an, um sicherzustellen, dass die Ware blitzschnell verkauft wird. Daher der Name Flash-Sale (blitz-Verkauf), so dass sie niemals viele Artikel anhäufen.

Einige Unternehmen verwenden auch die Just-in-Time-Methode, was bedeutet, dass sie erst dann produzieren, wenn eine Bestellung aufgegeben wurde, so dass nie zu viel Inventar vorhanden ist und das Rohmaterial bereits bezahlt ist.

Das Meizu MX5 mit einem Mediatek Prozesor

Nummer 3: Ihr Marketingbudget ist praktisch null.

Wie viel kostet eine Halbzeit Werbung bei einem Mega-Sportevent wie etwa dem Super Bowl? Ungefähr fünf Millionen Dollar. Und Firmen wie Samsung oder Apple werden diese Summe investieren ohne mit der Wimper zu zucken. Also raten Sie mal, wie viel Geld Samsung für sein Marketing ausgegeben hat. Hundert Millionen? 1 Milliarde vielleicht? Gut, 2016 gab Samsung rund 10 Milliarden Dollar für Marketing aus.

Selbst LG, die nicht wirklich so viele Handys verkaufen, haben 2016 ebenfalls eine Milliarde Dollar ausgegeben. Ich bin sicher, dass viele von Ihnen mit Oneplus vertraut sind, der Firma, die ihr Oneplus One mit einem Minibudget von 300 Dollar zu weltweitem Ruhm katapultiert haben. Anstelle von traditionellen In-your-Face-Werbung überall, verwendeten sie ziemlich clevere Guerilla-Marketing-Techniken, auf die ich nicht alle eingehen werde, aber hier sind einige der wichtigsten: Sie verkauften ihr Smartphone nur per „Einladung“, sodass es einen super exklusiven Eindruck machte. Sie nutzen soziale Medien und eher unkonventionelle Techniken, wie das zerschlagen deines Smartphones, um eines ihrer Smartphones für einen Dollar zu kaufen.

Aber am kontroversesten war wohl die „Women-First“ Kampagne die sie starteten in der sie Frauen darum baten ein Bild mit dem Firmenlogo irgendwo auf ihrem Körper zu teilen um ein OneplusOne Smartphone zu gewinnen. Dies führte offensichtlich zu einer schlechten PR für das Unternehmen, aber auch schlechte PR ist trotzdem PR.

Nummer 4, und das ist weniger bekannt: Wussten Sie, dass Patente in China praktisch nutzlos sind?

Und aufgrund dieses Mangels an Patentrecht hat sich eine rabiate, kollaborative Open-Source-Atmosphäre entwickelt. Aber bevor wir darauf eingehen, erzähle ich kurz die Horrorgeschichte, die zuerst passierte.

Aufgrund dieses Mangels an Patentrecht wissen die Menschen in Shenzhen, dass, sobald Sie etwas entworfen haben, jedes andere Unternehmen es einfach nehmen und benutzen kann. Also im Grunde jeder Entwurf ist für alle Absichten und Zwecke Open-Source, also sagt sich jeder „Ok, also warum ein Patent anmelden? Es wird sowieso kopiert werden. Warum nicht mit anderen teilen und jeden daran Verbesserungen machen lassen?“.

Das Ergebnis davon ist dass ein einzelnes Design im Handumdrehen in Massenproduktion produziert und verbessert werden kann. Was nicht nur die Forschungs- und Entwicklungszeit reduziert, sondern auch die Notwendigkeit von Patenten, die teuer und zeitaufwendig sind, vollständig eliminiert.

Nummer 5: High-Tech, aber nicht revolutionär

Ein weiterer Faktor ist, dass chinesische Hersteller ihre Telefone nicht mit der neuesten und besten Hardware bestücken. Sie sind mehr daran interessiert, Preis und Leistung in Einklang zu bringen. Wenn Sie jemals eine Website durchstöbert haben, die chinesische Smartphones verkauft, haben Sie wahrscheinlich Geräte gesehen, die einigermaßen High-End-Spezifikationen haben, aber viel weniger kosten als ein Samsung Galaxy. Das Galaxy-Gerät verwendet Teile von höherer Qualität, die auch teurer sind.

In vielen Fällen entscheiden sich chinesische Hersteller für einen Mediatek-Prozessor, der möglicherweise nicht mit Samsungs Exynos-Einheiten ausgestattet ist, aber viel billiger ist. Und Mediatek ist auch ein chinesisches Unternehmen, so dass es eine günstige lokale Verteilung anbieten kann.

Was RAM angeht, so werden sich chinesische Hersteller nicht für DDR4-Speicher entscheiden, der in vielen der aktuellen Top-Smartphones zu finden ist. Stattdessen werden sie sich für billigere, in China hergestellte High-End-DDR3-Module entscheiden. Viele wählen Sony Kamerasensoren vor allem, weil, wie Mediatek, das japanische Unternehmen einen guten Wert bietet.

Chinesische Smartphones werden tendenziell auch mit koreanischen oder japanischen Displays hergestellt, die etwas schlechter sind als die IPS- oder AMOLED-Panels, die einige Geräte aufweisen, aber wiederum viel billiger sind. Wie oben gesagt, geht es um den Ausgleich von Preis und Qualität.

Ich habe eine Menge Nachforschungen angestellt, aber es tut nicht weh, wenn jemand einen zweiten Blick darauf wirft, und mich in den Kommentaren wissen lässt, ob ich richtig oder falsch liege. Besitzt du ein Chinahandy? Willst du eins kaufen? Sag uns in den Kommentaren was du denkst.

Quellen (1)

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